klären. verhandeln. entscheiden.

»Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte und berechtigte Beweggründe. Jedes Verhalten im Konflikt hat daher Gründe, für die man sich interessieren sollte.«

Markus Troja, Schlichter in Wirtschaftskonflikten


ZMK NEWS

Täter-Opfer-Ausgleich, wie soll das funktionieren?

Bild: iStock

Nach einer Straftat kann ein Täter-Opfer-Ausgleich helfen, das Erlebte zu verarbeiten.

 

Der Täter begeht eine Straftat und wird dafür bestraft. Das Opfer erleidet einen Schaden und erhält Schadensersatz. Wozu braucht es hier einen Ausgleich? Was ist ein Täter-Opfer-Ausgleich überhaupt? Im Rahmen eines TOA suchen Täter und Opfer gemeinsam einen Weg um das verursachte Unrecht so weit wie möglich wieder gut zu machen. Dabei ist die finanzielle Entschädigung des Opfers nur eine Möglichkeit. Vorstellbar sind auch Entschuldigungen, Beseitigungen der Tatfolgen durch Arbeit oder
andere Entschädigung nicht finanzielle Art.

 

Opfer bleiben relativ unbeobachtet 

Straftaten sind für Opfer und Täter einschneidende Erlebnisse. Was soll mit dem Strafrecht erreicht werden? Drei Ziele werden verfolgt: die Gesellschaft zu schützen, für Gerechtigkeit zu sorgen und den Rechtsfrieden wiederherzustellen. Das herkömmliche Strafrecht genügt der ersten Anforderung, indem es gefährliche Täter wegsperrt und durch Strafdrohungen andere von Straftaten abhält. Ob die Bestrafung eines Täters zu mehr Gerechtigkeit führt, ist fraglich, da häufig das Opfer relativ unbeachtet bleibt. Auch der Rechtsfrieden wird durch die Bestrafung nur mangelhaft hergestellt. Es bleibt ein Rachegefühl und das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein.

 

Viele positive Möglichkeiten

Hier will der Täter-Opfer-Ausgleich Gegensteuer geben. Im Gespräch sollten die Parteien unter der Verfahrensleitung eines Mediators versuchen, die gegenseitige Standpunkte zu verstehen und einen Ausgleich zu finden, der den Täter von weiteren Straftaten abhalten soll und ihm auch Gelegenheit bietet, seine Tat soweit möglich gut zu machen. Das Opfer auf der anderen Seite gewinnt einen Einblick in die Denkweise des Täters und erkennt diesen als Menschen. Neben der vereinbarten Kompensation erhält der Opfer die Möglichkeit die Tat und ihre Folgen psychisch zu verarbeiten was eine Reduktion eines allfälligen Traumas zur Folge hat. Zusammenfassend bietet ein Täter-Opfer-Ausgleich als Ersatz oder Ergänzung zum Strafverfahren viele positive Möglichkeiten. Diese sollten ausgeschöpft werden.

 

Wirtschaftregional 21.04.2018, Christian Eggenberger